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Reuters Report: Deutschlands Nachrichtenkonsum bleibt traditionell

reuters institute
Bei allen Facebook- und Fake-News-Stürmen: in Deutschland bleibt die Nachrichten-Nutzung weitgehend konservativ und radikale Meinungsportale sind ohne Chancen. Das ist das knappe Fazit der aktuellen Studie des renommierten Reuters Institute Drei zentrale Stützpfeiler der bundesrepublikanischen Nachrichtenversorgung machen die Analysten aus: Spiegel Online für die pointierten, politischen Berichte, BILD Online für Entertainment und Breaking News und, ungebrochen in der Zuschauergunst, die ARD Tagesschau für die seriöse und neutrale Informations-Grundversorgung.

Besorgniserregend empfinden die Medienexperten dagegen die Entwicklung bei den Nachrichtenredaktionen anderer (Online)-Medien: vor allem die in Deutschland mit 28% sehr weit verbreiteten Werbeblocker verhinderten nötige Investitionen in Nachrichtenredaktionen und Nachrichten-Redakteure. Die Nachrichtennutzung über soziale Netzwerke ist laut Reuters im Vergleich zu vielen anderen Ländern sehr niedrig und wird in ihrer Bedeutung von den Verlagen selbst eher überschätzt.

Eine Polarisierung innerhalb der Medienlandschaft, wie sie in den USA weltweit am stärksten ist und laut Reuters die Polarisierung innerhalb der Bevölkerung wiederspiegelt, ist in Deutschland nicht feststellbar. Hier sind die inhaltlichen Ausrichtungen nach “eher links – eher rechts” weitaus näher an der politischen Mitte angelehnt, ähnlich sieht es beispielsweise in Portugal oder den Niederlanden aus. In Italien, Spanien und Polen dagegen ist wie in den USA die Entstehung relevanter Medienangebote an den äußersten Rändern des politischen Spektrums feststellbar.

Milliarden-Einsparungen durch selbstfahrende Autos?

Teil 1

Die Managerin sitzt noch zu Hause am Frühstückstisch, während draußen das vorgeheizte Auto aus der Garage fährt, die aktuell schnellste Route zum Büro ist bereits berechnet. Vor dem Unternehmen aussteigen, der Wagen fährt einige Kilometer entfernt in eine Parkgarage und ist rechtzeitig für die spätere Fahrt zum Flughafen zurück.

self-driving car wohngebietNoch ist angesichts gesetzlicher und letzter technologischer Hürden nicht genau vorhersehbar, wann das Lenkrad weitgehend verzichtbar wird. Ford möchte ab 2022 einen “hundertprozentig sicheren” Selbstfahrwagen verkaufen und die Versuche zum Beispiel von Tesla in abgeschiedenen Ecken der USA sind von wenigen Unfällen abgesehen so vielversprechend, dass ein Zeitraum von noch 5 Jahren für die meisten Autokonzerne realistisch sein sollte.

Das bloße Angebot autonom fahrender Autos sagt dabei wenig über relevante Marktanteile aus: die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass 2030 erst 15% der heutigen Individualfahrten ohne aktiven, menschlichen Fahrer stattfinden werden. Der Traum vom selbstfahrenden Auto ist übrigens schon 50 Jahre alt…

old self driverDas “Selbstfahren”  wird in mehreren Schritten eingeführt und zugelassen, dies kann als sicher gelten. Zunächst teil-autonomes Fahren, dann Selbstfahren auf Autobahnen und erst später auch in Innenstädten. Bereits mit den ersten automatisierten Prozessen werden sich zahlreiche Industrien massiv verändern, nicht nur die Automobilindustrie:

Ein für täglich viele Hundertausend Menschen nervötender Anachronismus ist das Parken: Innenstädte sind zugeparkt, trotzdem gibt es zuwenig Parkflächen. In Deutschland steht ein Auto täglich 22,8 Stunden ungenutzt auf einer damit nicht mehr verwendbaren Fläche, in den meisten europäischen Städten sieht es nicht viel anders aus. Rund 1/3 aller Parkflächen könne man laut Stadtplanern dadurch einsparen, dass Autos sich ihren Parkplatz in weniger attraktiven Innenstadtbereichen selbst suchen oder zumindest die Nutzung vorhandener Parkräume wesentlich effizienter wird. In den USA beispielsweise , so wurde berechnet, käme man in allen Innenstädten zusammen auf eine neu gewonnene Fläche, die größer wäre als die Fläche Nordrhein-Westfalen.

überfüllter parkplatzImmobilienkonzerne gewinnen neue Flächen inmitten der attraktiven Innenstädte, Kommunen können Parks und andere Freizeitflächen einrichten. Anachronistisch anmutende Tankstellen werden aus Innenstädten verschwinden, weil es keine Notwendigkeit mehr gibt, eine vorbeifahrende menschliche Kundschaft durch visuelle Reize an die Zapfsäulen zu locken. An autonomen Betankungsprozessen wird mit Hochdruck gearbeitet. In wenigen Jahren wird außerhalb der Innenstädte geladen und getankt.

  • Der durchschnittliche Autofahrer sitzt gegenwärtig rund 80 Minuten täglich in seinem Wagen, fahrend oder im Stau. Dabei unterscheidet sich der ländliche Autofahrer kaum von einem Innenstadtbewohner, nur die Länge der im Mittel gefahrenen Strecke ist unterschiedlich. 80 Minuten täglich, in denen Autofahrer lediglich Audio-Inhalte konsumieren oder, auch wenn wirklich hochkonzentrierte Gespräche kaum möglich sind, telefonieren können. Auf einen “niedrigen dreistelligen Milliardenbetrag” schätzen Experten den volkswirtschaftlichen Schaden durch Staus pro Jahr, ein Handwerker mit vielen Außenterminen steht nach einer Befragung des Handwerkerverbandes 7,2h im Stau – pro Woche. Also fast einen kompletten Arbeitstag lang.

stauBei einer Untersuchung der Universität Köln wurden vier menschliche Fehlerursachen festgestellt, die Staus auslösen und die bereits mit teil-autonomen Autos weitgehend eleminiert werden können:

  1. Zu dichtes Auffahren, ausgelöst durch abruptes Abbremsen des ersten und aller folgenden Autos
  2. zu schnelles Aufschließen, dadurch ebenso schnelles Abbremsen
  3. Unkonzentriertheit, die dazu führt, dass der nötige Sicherheitsabstand nicht eingehalten wird
  4. “Kolonnenspringen”, um auf der Spur mit vermeintlich fließenderem Verkehr schneller voranzukommen, was widerrum zu Bremsmanövern bei anderen Fahrern führt

Das selbstfahrende Auto wird also auf der einen Seite Milliardenbeträge einsparen helfen, die für Innovationen und Entwicklungen in Unternehmen und Institutionen eingesetzt werden können, gleichzeitig wird das Konsumklima verbessert: während eines einstündigen Staus auf der A2 oder 20 Minuten Stillstand am Stadtrand von Stuttgart kann heute nicht entspannt online eingekauft werden, denn “es könnte ja gleich weitergehen”. Doch wichtigstes Ziel bei diesem Aspekt ist zweifellos die Stauvermeidung.Doch auch Medienunternehmen können sich freuen: neben Bewegtbildinhalten werden auch komplexere Themen stärker genutzt werden, weil eine ganz neue Aufmerksamkeitsqualität möglich wird.

  • accidentNach unterschiedlichen Analysen wird der wirtschaftliche Schaden durch Verkehrsunfälle auf 30-40 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Das die Zahl der Verkehrsunfälle nicht auf Null zurückgehen wird steht außer Frage, aber abgesehen von einem Niedergang der volkswirtschaftlich weniger bedeutenden Abschleppbranche werden ganz neue, positive Impulse ausgelöst, bis hin zur Senkung oder zumindest Stabilisierung von Krankenkassenbeiträgen und Versicherungspolicen. Selbst bei einer Halbierung der Unfallschäden werden erhebliche Milliardenbeträge für Innovation und Konsum freigesetzt.

Welche Auswirkungen selbstfahrende Autos auf Rechtsanwälte haben und warum ein Audi-Manager die Hotelbranche vor großen Veränderungen sieht – in Teil 2. Coming soon.