Da geht was in Berlin: Tesla baut und die Berliner Zeitung?

Grünheide

Wat fürne Aufregung: der Großmeister des benzinfreien PKW erklärt, er werde eine riesige Fabrik in Berlin bauen – wobei das geografisch unkorrekt ist, das noch dunkle Waldstück liegt in der Brandenburger Nirgendwo-Landschaft, Sibirien ist nahe. Ob denn nun tatsächlich diese Giga-Fabrik – ein anderer Name verbietet sich bei dem gelegentlich größenwahnsinnig wirkenden Tesla-Chef  – gebaut wird, hört man erste Zweifler und Spötter fragen. Droht in Drohnenflugdistanz zum BER eine Gaga- statt Gigafabrik?

Theoretisch denkbar, Elon Musk ist nicht nur politisch Donald nahe, auch seine Impulsivität ist ähnlich  – selbst in Analystenkonferenzen verkündet Musk gerne mit niemanden besprochene Entscheidungen, seine Entscheidungen. Verträge? Nun, sicher, welcher Anwalt würde nicht gerne das Verfahren “Berlin/Brandenburg wg. arglistiger Täuschung” übernehmen, auch wenn völlig aussichtslos. Zunächst, was eine ungewohnte Übung vor allem für Berliner ist, könnte man ja einfach daran glauben, dass Grünheide zum Nabel der europäischen Automobilindustrie wird. Bis dahin soll es dort sogar eine Netzabdeckung geben.

Neben Tesla gibt es noch ein Thema, dass ansatzweise digital ist: zumindest in den verbliebenen Medienfachdiensten- und Portalen ist die “Berliner Zeitung” deutlich präsenter als in den vergangenen Jahren. Beziehungsweise ihre neuen Verleger.  “Organ des Kommandos der Roten Armee” lautete bei den ersten Ausgaben 1945 der Untertitel und wegen einer im Alter von 21 Jahren nachweisbaren Stasi-Freelancer-Tätigkeit, so liest man, ginge das gar nicht, das mit dem Verleger sein.

Ich denke dann immer gerne an diesen einen Kollegen beim ZDF, den ich politsch zwar nichts abgewinnen konnte, aber schon mutig fand, wenn er Ende der 80er mit seiner “Marxistischen Gruppe” wieder eine Vorlesung an der Hamburger Uni gesprengt hatte. Nun ist eine informelle Stasi-Mitarbeit nicht mit heftigst antidemokratischen Wahnvorstellungen im Westen zu vergleichen – obwohl, die Stasi-Mitarbeit, so ist glaubhaft nachzulesen, passierte auf massivem Druck, während der Kampf gegen Kapitalismus und Demokratie in Hamburg freiwillig war. Dem ZDF-Kollegen mit dem sorgfältig renoviertem Eigenheim glaube ich, dass er seinen Einsatz für Vater Marx längst beendet hat – aber darf er publizistisch-medialen Einfluß nehmen, 30 Jahre später? Darf er? Ist das die Wissenschaft der Logik?

Und dann noch werbend für den Börsengang eines Unternehmens schreiben lassen, an dem man selbst beteiligt ist. In der eigenen Zeitung. Gut, dass ist nicht mal Kalkül, sondern einfach nur töricht. Könnte man abhaken unter “wird wohl kaum noch mal passieren”. Die “Berliner Zeitung” hat ausreichend hervorragende Journalistinnen und Journalisten, um auch mit einem Verleger(paar) klarzukommen, der neben einer sehr wichtigen digitalen Kompetenz auch Anfängerfehler mitbringt. Über seine Stasi-Aktivitäten sollen vor allem die richten, die davon betroffen waren. Nur der SPIEGEL sollte einfach schweigen.

Wie Tesla Berlin schockt – kurzfristig

Tesla

Oh my God” – düstere Miene gestern bei einem Landsmann des charismatischen Elon Musk. Robert, ursprünglich aus Michigan, bastelt seit zwei Jahren hier im Berliner Innovationszentrum an seiner Startup. Viel mit künstlicher Intelligenz, machine learning und neuronalen Netzen. Alles, sagt Robert, alles was Tesla auch brauchen wird, mit dem finalen Sieg des selbstfahrenden Autos allerspätestens. Leute zum Kotflügel anschrauben wird Tesla in der Tat nicht brauchen. “Wir investieren viel Arbeit in die sehr jungen Mitarbeiter, aber Tesla ist natürlich etwas anderes als unser shop“, befürchtet der Gründer.

Das Traditionsunternehmen Continental baut in Berlin, inzwischen mit einer ausgegründeten Firma, Management-Systeme für Antriebsbatterien. Die handverlesenen Entwickler sind mühsam in der ganzen Welt rekrutiert worden und das Herzstück des ehemaligen Conti-Bereiches. Tesla wird spätestens in zwei Jahren eine Job-Alternative in diesem hart umkämpften Mitarbeiterbereich bieten, die es bislang im weiten Umkreis von Berlin nicht gab. Ein anderes Thema als die Tesla-Ansiedlung wird es längere Zeit auf den Gängen und in den Meetings nicht geben.

Und doch sind sowohl Conti und der Gründer aus Michigan zum Schluss der Meinung, dass die Vorteile überwiegen werden. “Wer jetzt als Entwickler noch nichts vom Digitalstandort Berlin gehört hat, hat es spätestens jetzt auf der Watchlist“, sagt ein Conti-Manager, “selbst bei Abgängen werden wir es langfristig leichter haben, gute Leute hierher zu bekommen“. Und Robert? “Das Tesla nicht unbedingt gut fürs entspannte Arbeiten ist weiß man, wir werden unsere Leute mit noch mehr Respekt schon halten können“. Nur darüber, dass Tesla nicht in Berlin, sondern in Brandenburg baut – darüber redet niemand. Der Standort ist für alle schlicht Berlin.

(Wolfgang Zehrt, auch Berlin)