Internet-Radio? Das war lange etwas für Audio-Freacks und Garagen-Bastler mit überentwickelten Sendungsbewusstsein. Diese Pampas-Phase ist eindeutig vorbei, Streaming-Audio-Angebote erobern immer stärker die mobilen Endgeräte und vor allem die Autos: warum noch in klassischen UKW-Dimensionen denken, wenn längst tausende von Programmen alleine in Deutschland zur Verfügung stehen? Mehr als 2.000 deutschsprachige Streamingangebote gibt es bereits und im Gegensatz zu den vergangenen Jahren sind fast dreiviertel der Anbieter mit ihren Reichweiten-Erfolgen zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Hauptgrund: die technischen Beschränkungen sind fast alle beseitigt und täglich kommen neue Applikationen auf den Markt, auch die Personalsierung des “Hör-Programmes” ist fast durchgängig möglich. Dieses positive Ergebnis für den relativ jungen Markt hat der “Bundesverband digitale Wirtschaft” in dieser Woche vorgestellt. Der Verband unterscheidet dabei zwischen diesen Streaming-Kategorien:
- 1.711 Online-Only Radiostationen, die wirklich nur im Web übertragen werden
- 256 Simulcast-Angebote, also die gleichzeitige Übertragung eines identischen UKW-Programmes auch im Internet
- 28 Online-Submarken von meist reichweitenstarken UKW-Programmen
- 16 On-demand Musik-Plattformen
- 3 Personal Radios
- 2 User Generated Radios
- 5 Radio Aggregatoren
Im nächsten Jahr gehen die Experten davon aus, dass sich der Werbeumsatz in dieser kleinen, aber stark wachsenden Branche auf rund 140 Millionen Euro verdoppeln wird. Getrieben wird die zunehmende Nachfrage vor allem durch das Thema “Connected Car”: schon in wenigen Jahren wird der passionierte Golf-Spieler sein Musikprogramm im Auto mit speziellen Aktionen und Nachrichten zum Thema Golf mixen können. Selbst solche relativ engen Zielgruppenformate werden möglich, weil die Streuverluste gegen Null gehen. “Auch Instream-Hörfunk-PR” wird immer stärker nachgefragt”, sagt Marc Erny von der Berliner Audio-Agentur allmediachannels, “direkter kann man Zielgruppen kaum erreichen”.

