Category Archives: Sonstiges

Handelsblatt-Herausgeber fordert Revolution!

JUngfrau von Orelans

Gestern Abend in München: Gabor Steingart, Herausgeber des Handelsblatt, ruft offen zur Revolution auf! Aber, der Seriösität seines Arbeitgebers angemessen, nur zur medialen. Wäre Gabor Steingart nicht ein ebenso brillianter Redner wie Schreiber könnte man es dabei belassen, aber als Wochenendlektüre lohnt sich der Beitrag im Wortlaut durchaus, alleine die Schilderungen der Springerschen Forschungsstation im Sillicon Valley sind es wert. Journalisten sind eintönig geworden, sie haben sich mit der Politik allzu oft zu eng eingelassen und die jetzt noch amtierende Medienführungsmannschaft träumt immer noch von den alten Aufmachern über das Waldsterben und den Atomlager-Krieg um Gorleben – wie soll hier etwas Neues enstehen? Fragt uns Gabor Steingart, vermutlich zu Recht. Und das inzwischen der Herstellungsprozess von Gummibärchen und Fischstäbchen transparenter ist als der journalistischer Produkte, bei denen immer öfter selbst der Herkunftsort unbekannt ist, ist eine der Thesen, über die sich laut Steingart inzwischen möglicherweise mehr die weniger werdenen Leser Gedanken machen, nicht aber die Journalisten. Mit Rechenschieber und Trauerkloss sei nichts mehr zu gewinnen und so kommt Steingart zu dem einzig richtigen Schluss, was denn nun diese unsere Medien brauchen: “Es lebe die Revolution!” Die ganze Rede:  http://bit.ly/1hKJ2Ru

 

 

 

 

New York Times: Content Marketing falsch verstanden

nytimes

Auch wenn “content marketing” in den USA erfunden wurde: ausgerechnet die traditionsreiche “New York Times” versteht die Spielregeln nicht. Sagt jedenfalls die nicht minder angesehende “Washington Post”. Die Post  http://wapo.st/17knbf7  wirft der Times vor, sich bereitwillig für eine PR-Kampagne des Weissen Hauses einspannen zu lassen, ohne über die Motive für diese Berichterstattung zu schreiben und ohne ausreichend Informationen zur Verfügung zu stellen, damit sich Leser ein eigenes Bild machen können. Das nur  scheinbar nicht so bedeutende (und geheime!) Handelsabkommen “Trans-Pacific-Partnership” mit mehreren Pazifikstaaten ist der nicht gerade erfolgsverwöhnten Obama-Administration so wichtig, weil dadurch unter anderem amerikanische Medikamente vor weitaus preiswerteren Kopien geschützt werden sollen, eine -zig MIlliarden Dollar-Frage. Die New York Times nun rührt für dieses Abkommen seit Wochen gewaltig die Werbetrommel – und weigert sich gleichzeitig, die in der Redaktion offenbar durchaus vorhandenen Informationen zu dem vertraulichen Abkommen offenzulegen. “Entweder Feigheit oder blindes Vertrauen in die US-Regierung”, urteilt die “Electronic Frontier Association” im digitaljournal.com http://bit.ly/1gzpXjT 

Konsequentes Content Marketing hätte es verhindert; eine ausführliche Offenlegung mit allen denkbaren Zusatzinformationen, Grafiken und Übersichten hätte der New York Times und dem Weißen Haus diesen Vertrauensverlust erspart. Im Zeitalter von Web X.0. ist es dilletantisch zu versuchen, mit Informationszurückhaltung die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Wenn sich dafür noch Medien einspannen lassen umso mehr.