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Roboterjournalismus – Dichtung oder Wahrheit?

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10 Millionen Meldungen pro Tag kommen aus der Software eines süddeutschen Anbieters und die BBC versteigt sich zu der Annahme, dass in sieben Jahren 90% aller “News” vom Computer geschrieben werden. Beide Behauptungen haben den Vorteil, dass sie nicht überprüfbar sind. Natürlich kann eine Software viele Millionen “Meldungen” pro Tag schreiben, auch die endlosen Ausdrucke eines Servers über seine sekündliche Verfügbarkeit sind schließlich “News”. Wenn die BBC den Begriff “News” neu formuliert als eine minimal einzeilige Meldung über das Wetter in “North-West Cambridge South-Central”, würde man sicher auf 90% compuergenerierte “pieces of content” kommen. Nur, diese beiden Beispiele erfüllen nicht einmal die vage Definition “Roboter-Journalismus”, es ist eine bloße Übertragung von Zahlen in Buchstaben, endlos weit entfernt von den Möglichkeiten, die computergenerierte Texte wirklich bieten können.

Das computergenerierte Inhalte auf hohem Niveau erfolgreich sein werden zeichnet sich deutlich ab. Noch ist vieles Experiment, wenn auch einige Medienhäuser bereits davon ausgehen, dass ihnen schlüsselfertige “ready to publish”-Lösungen angeboten werden. Was zwar möglich ist, aber dieses neue Werkzeug vieler Chancen beraubt. Textcomposing muß ein gemeinschaftliches Projekt sein, in der alle digitalen Erfahrungen des Verlages und die Datenanalyse- und Textgenerierungskompetenz des Dienstleisters einfliessen, um die maximale Wertschöpfung zu erzielen. Ein Medizin-Fachportal weiß, wie relevant Grippe-Epedimien in Asien für die fachkundigen Leser sind: aus der Datenbank des japanischen Gesundheitsministeriums lassen sich dazu mehrfach täglich Berichte generieren. Alle 15 Minuten eine aktuelle Textanalyse der drei Börsenindizies außerhalb des Dax zu erzeugen erfordert sekündlich 5.000 Datenbankabfragen bei der Börse (textomatic).

Zwei Schnittstellen machen das Thema mit dem irreführendem Namen Roboterjournalismus besonders spannend: die Verbindung zum Datenjournalismus auf der einen und der künstlichen Intelligenz auf der anderen Seite. Die Recherche von Datenquellen in aller Welt wird immer komplexer, Dank opendata und der Forderung von Teilen der Bevölkerung nach größerer Datentransparenz gibt es theoretisch immer mehr Informationen. Nur werden diese im Datendschungel ohne Expertenwissen nicht gefunden. Künstliche Intelligenz wird, nicht ohne Risiko, in wenigen Jahren dafür sorgen, dass ein Portal unmittelbar auf den User zugeschnittene Informationen in Echtzeit liefert. Und alles scheinbar (?) für den User weniger Relevante weglässt.

Der “Roboterjournalismus” bleibt eine Utopie – zum Glück !

moderne roboterhand auf tastatur zwei roboterhände auf tastatur

Auch wenn sich aus Marketinggründen der plakative Begriff „Roboterjournalismus“ durchzusetzen scheint, wenn es um das automatische Erzeugen von Texten aus Daten geht, wird dieser dadurch nicht richtiger. Heute lässt sich auch ohne große Probleme eine aufwändige, beeindruckende Holzskulptur von einem entsprechend trainierten Industrie-Roboter schnitzen – aber ist die Software oder der Schnitzroboter deswegen ein Künstler?

Die Software Textcomposer von textomatic, an der Wissenschaftler des Fraunhofer Institutes, der Ruhr-Universität Bochum und eines führenden Wissenschaftsverlages mitarbeiten, kann aus unglaublich komplexen und gewaltigen Datenmengen in weniger als einer Sekunde beliebig lange und beliebig anspruchsvolle Texte formulieren. Was die Software nicht kann: mit menschlichem Einfühlungsvermögen Interviews führen, mit Gespür für Situationen Reportagen verfassen oder bei der Rede eines Politikers feststellen das das, was nicht gesagt wurde, das Interessante ist. Aber genau das ist Journalismus!

Roboterjournalismus ist laut textomatic das Generieren von Medieninhalten auf hohem Niveau, in einer natürlichsprachlichen Fassung. Zugegeben, auch der Begriff Textcomposing, wie ihn der Anbieter textomatic verwendendet, ist ein Kunstbegriff, aber auf jeden Fall besser, als den Journalismus als anspruchsvolles und nur mit menschlicher Kompetenz zu leistendes Handwerk auf eine Ebene mit einer Softwareapplikation zu stellen. Mag diese noch so komplex und leistungsfähig sein. Für diese Entwertung ist die journalistische Kompetenz und Erfahrung bei den textomatic-Machern offenbar zu groß.

Zweifelhaft erscheinen in diesem Zusammenhang auch die lautsprecherischen Ankündigungen von Dienstleistern, die je nach Pressemitteilung den Anteil des “Roboterjournalismus” am Journalismus in 5 Jahren auf 20 oder gerne auch mal 30% schätzen. Bezogen auf die bloße Menge an aktuellen Inhalten aller Art mag dies stimmen, gerade Journalismus aber zeichnet dadurch aus, das er eben nicht beliebig ist.

Es gibt einen weiteren Grund, warum textomatic nicht an dem Wort Roboterjournalismus hängt: es gibt unendlich viel Anwendungsmöglichkeiten für Textcomposing, die weit über das Gebiet der Medieninhalte hinausgehen. So hat das Generieren von Peer Group Vergleichen für eine Bank, die Echtzeit-Erzeugung hochgradig personalisierter Wetterberichte für unterschiedliche Sportarten in vielen Tausend Regionen (Bergsteiger, Seglern, Jogger) oder die Zusammenfassung von weltweiten Schiffsbewegungen wenig mit Medieninhalten im journalistischen Sinne zu tun.

Ein Dienstleister wie textomatic kann für Sie sicher unglaublich viele, spannende Medieninhalte bereitstellen. Aber Journalismus bleibt Reportern, Redakteuren und Korrespondenten vorbehalten.