Pressemitteilungen sind keine Pressemitteilungen mehr. Gut, sie richten sich auch noch an die “Presse”, also an gedruckte Ausgaben aktueller Informationen, die man am Kiosk oder im Abonnement erhalten kann. Oder die es kostenlos – warum auch immer – auf unzähligen Portalen im Internet gibt, deren Qualitätsunterschiede immer grösser werden und deren “Redakteure” immer öfter in “honorarextensiven” Ländern wie Indien oder den Randbereichen der USA zu findedn sind. Egal: Sie wollen eben auf allen sinnvollen Kommunikationswegen möglichst viele der Menschen erreichen, die sich für Ihr Thema interessieren könnten. Deswegen macht die “Pressemitteilung” weiterhin durchaus Sinn, denn es zwingt sie dazu, Ihr Thema zu prüfen, zu verwerfen, zu durchdenken, zu bebildern, zu diskutieren und schließlich in die anschaulichste Form zu bringen. Dies ist eine gute Grundlage, um darauf aufbauend auch Tweets, Blogeinträge oder Facebook-Postings zu verfassen. Doch bevor Sie beginnen eine Pressemitteilung zu schreiben…
1. Haben Sie wirklich ein Thema für Ihre Pressemitteilung ?
Wissen Sie, was der mit Abstand häufigste Fehler bei Pressemitteilungen ist? Der Absender hat eigentlich gar nichts zu sagen. Oder, fast genauso schlimm, der Inhalt ist nur für eine eingeschworene Interessensgruppe interessant, wird aber trotzdem den Medien des ganzen Landes als tolle Story angeboten. Neue Hochdruckreiniger für enthauptete Weihnachtsgänse interessieren aber wirklich nur Geflügelzüchter, sonst niemanden. Wenn Sie kein Thema haben, verzichten Sie als Profi auf die Pressemitteilung oder das Facebook-Posting. Und wenn Sie ein Fachthema haben ist dies – genau, nur für die Fachpresse.
2. Sie haben ein Thema, aber keine Strategie für Ihre Pressearbeit?
Sie meinen ein Thema gefunden zu haben, aber können sich nicht entscheiden, wem sie damit wann was sagen wollen? Ist es interessant für die Menschen, die ihr fantastisches neues Produkt kaufen sollen? Ist es für Studenten, die sich für Ihr Unternehmen als Arbeitgeber interessieren könnten? Oder geht es um den Aufbau des Images? Wenn eine Pressemitteilung nicht Teil einer halbwegs durchdachten Kommunikations-Strategie ist, verschenken Sie viele Möglichkeiten. Denn die letzten verbliebenen Journalisten erwarten, dass Ihre Pressearbeit verlässlich ist. Das heißt: wenn schon eine Pressemitteilung zum neuen Produkt, dann zu jedem neuen Produkt. Und einmal in zwei Jahren etwas an die studenten-affinen Blogs und Social Media-Plattformen zu bringen bringt nichts. Themen müssen über längere Zeiträume verlässlich immer wieder adressiert werden.
3. Welcher Aspekt Ihres Themas ist der Wichtigste?
Das neue Gerät ist so phänomenal, dass Sie alle 20 neuen Vorzüge unbedingt im Text unterbringen möchten. Oder das Filialeröffnungsfest war so rauschend, dass alle 15 Ehrengäste wenigstens erwähnt werden müssen. Dann schreiben Sie eine sogenannte „Omnibusmeldung”: alles wird reingequetscht, bis niemand mehr sieht, was drinnen ist. Wenn Sie nicht entscheiden, was der einzige (!) Hauptaspekt Ihrer Pressemeldung ist, der Redakteur wird es auch nicht tun. Sondern: ab in den Papierkorb. Wenn sich in Ihrem Thema wirklich mehrere spannende Teilthemen verbergen, umso besser. Dann schieben Sie die nächste Information wenige Tage später nach.
4. Testen Sie Ihr Thema, bevor Sie anfangen zu schreiben?
OK, Sie wissen das Sie ein Thema haben, Sie haben überlegt, was der wichtigste Aspekt des Themas ist und Sie haben Ihrem Chef erklärt, dass es wirklich reicht, das Unternehmen einmal zu erwähnen: nicht schlecht! Und jetzt rufen Sie, wenn denn das Thema bundesweit verbreitet werden soll und die „breite” Öffentlichkeit ansprechen soll, zwei normal begabte Menschen aus Ihrem Bekanntenkreis an und fragen, ob diese zu einem solchen Thema denn mehr wissen wollen würden! Wenn gequälte Langeweile die Reaktion ist: gehen Sie zurück auf Anfang und denken noch mal über alles nach. Das funktioniert auch bei Fachthemen: ein Ihnen bekannter Fachjournalist wird sicher gerne darüber nachdenken, ob das Thema richtig neu ist, wenn er denn bei Interesse die Meldung 10min vor dem Konkurrenzportal veröffentliche darf. Wichtig: der Kollege vom Konkurrenzportal bekommt dann das nächste Mal die Info als erster.
5. Verfassen Sie noch Pressemitteilungen oder bloggen Sie schon?
Richtig, Sie machen natürlich beides. Das Sie einem Blogger nicht einfach eine Pressemitteilung senden versteht sich von selbst, entweder Sie haben den Kontakt schon längst hergestellt oder tun es jetzt. Der Unterschied zwischen einem erfolgreichen Blogger und einem mittelmäßigen „Profi”-Journalisten ist vor allem der, dass der gute Blogger glaubwürdiger in Ihrer Zielgruppe unterwegs ist als der Journalist, Sie sollten ihm also mit Respekt begegnen. Ihr Thema kommt sicher auch für viele Facebook-Gruppen in Frage, aber nicht in Form der Original-Pressemitteilung: Zwei Zeilen zum Thema, ein möglichst aussagekräftiges Bild und dann der Link zur Pressemitteilung. Die noch einmal eingekürzte Facebook-Fassung kann dann gleich für Twitter, Xing, Linkedin und Whatsapp genutzt werden.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Kommunikation!
P.S. Mehr Informationen finden Sie in meinem Buch “Die Pressemitteilung”
