Plädoyer für computererzeugten Journalismus

Redakteur repariert Kollegen

Zumindest würde eine sauber programmierte Software nicht solch sprachlich bedenkliche Überschriften produzieren. Die Frage lautet aber inhaltlich richtig ohnehin: kann der Journalismus noch auf Computer als preiswerte Co-Autoren verzichten? Während sich die Zahl schreibender Autoren anhaltend verringert, wächst gleichzeitig die Zahl von eigentlich lesenswerten Daten immer mehr an. Nicht nur in Unternehmen (big data), auch in Behörden, Forschungsinstituten und Verwaltungen schafft die neue Transparenz (open data) immer mehr Erkenntnisse, bei denen es bislang oft bei der reinen Erkenntnismöglichkeit bleibt. Wer sichtet, analysiert, bewertet und fasst zusammen? Die Transparenz der Daten, der Erkenntnisgewinn, bleibt ein Versprechen, solange keine Öffentlichkeit hergestellt wird. Dabei muß von der Software nicht gleich ein veröffentlichungsfähiger, brillianter Text geschaffen werden: im Gegenteil, genau hier beginnt die neue Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine. Die in wenigen Sekundenbruchteilen erzeugte Zusammenfassung aus Millionen von Daten kann angepasst, ausgebaut, pointiert, zugespitzt und angereichert werden, mit Interviews oder Hintergrundinformationen, für die sonst ein Journalist schon bald gar keine Zeit mehr hat. Gut informierte Computerkreise berichten, noch in diesem Jahr werde erstmals eine Software auch auf Deutsch beginnen, den Journalisten und Medien zuzuarbeiten.

 

 

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