Welche Zukunftsaussichten haben regionale News und Zeitungen?

Ob optimistische Aussagen zur Zukunft der regionalen Zeitungen und Medien mehr als ein Selbstbeschwörungstanz lokaler Verleger und großer Interessensverbände sind? Prof. Dr. Michel Clement und Prof. Dr. Christian-Mathias Wellbrock von der Uni Hamburg würden dies bejahen, sie konstituieren in einer Untersuchung aus dem vergangenem Jahr das regionale Medien “meist (aufgrund der geringen Marktgröße) regionale Monopolisten sind und exklusive Inhalte (z.B. über regionale Politik, Regionalsport etc.). haben“. Leser würden eine hohe Identifikation mit ihrer Region aufweisen, was eine gute Voraussetzung für eine hohe Leser-Blatt-Bindung darstelle.

Dem schliesst sich der “Bundesverband deutscher Zeitungsverleger” in der repräsentativen Studie „Zeitungsfacetten 2017. Regionale Tageszeitungen im Leser-Check“ gerne an: Jeweils 42 Prozent der Leser würden demnach sogar Werbung in regionalen Zeitungen eher gut finden und diese als selbstverständlichen Part ihrer Zeitung akzeptieren.

Nur, warum stimmen dann die Verkaufszahlen einschließlich aller Online-Ausgaben nicht mehr?

Im vergangenem Jahr kommt das Medienfachportal meedia.de zu diesem Resümee: “Es geht weiter abwärts für die Verkaufszahlen der deutschen Regionalzeitungen. Fast alle liegen unter den Vergleichswerten des Vorjahres…die Berliner Zeitung büßt 6,1% ein, der Berliner Kurier 9,7%, die Berliner Morgenpost 10,8% und die B.Z. sogar heftige 12,5%. Das ist für sie der größte bisher verzeichnete prozentuale Rückgang überhaupt… In den fünf anderen östlichen Bundesländern wachsen die Verluste tendenziell ebenfalls: Nur eins der 14 in unserer Statistik verzeichneten Blätter büßte hier weniger als 4% ein: die Freie Presse 3,9%. Um mehr als 5% ging es für die Märkische Allgemeine, die Leipziger Volkszeitung und vor allem die Morgenpost für Sachsen nach unten. Die Morgenpost reiht sich mit einem Minus von 10,7% in die bitteren Zahlen des Boulevard-Marktes ein….” Undsoweiter und soweiter. Regionale Akzeptanz? Identifikation?

Region, Heimat, Identifikation – hier sind sich die ansonsten nicht so homogenen Soziologen einig, sind Begriffe, die vor allem der Generation 60+ im positiven Sinne geläufig sind. In der immer schneller fortschreitenden Globalisierung innerhalb der westlich orientierten Staatenwelt, die China in diesem Punkt mit einbeziehen muß, ist der Anfang 20jährigen Frau aus dem Odenwald, je nach Bildungsgrad, London und Barcelona deutlich näher als Erbach oder Heppenheim. Stadtratssitzungen in Heppenheim? Spannend? Nunja…

Das regionale Werbung für alle Produkte, die ebay und amazon nicht liefern kann, relevant ist, ist schon glaubwürdiger. Nur stellt sich die Frage, ob für regionale Sonderangebote der Begleitinhalt der Stadtratssitzung in Heppenheim so wichtig ist. Regionale Werbung lässt sich trefflich auf Apps und Chats abbilden, denn sie wird meist gezielt gesucht. Widerrum auch nicht unbedingt von den jüngeren Zielgruppen. Große US-Tech-Unternehmen experimentieren bereits mit minimalistischen, regionalen Inhalten, die sich vermutlich nicht auf Stadtratssitzungen erstecken werden.  Die aber ausreichend sind, um dem Anzeigenumfeld eine medial-inhaltliche Umgebung zu bieten. (Die Betaversion einer indischen Pilot-Seite gibt es sogar auf Deutsch, mit dem schlichten Namen Regional-Nachrichten ).

 

 

 

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